Faszien

Faszien sind Gewebeschichten, die unserem Körper seine innere und äussere Form geben. Sie bilden ein endloses feinmaschiges Netz – welches alles mit allem verbindet. Sie umhüllen den Körper als Ganzes, sie umhüllen und durchziehen aber auch alle seine Teile, die Muskeln, Sehnen und Knochen ebenso wie die Organe, die Gefässe und die Nerven, sogar das Gehirn und das Rückenmark.

Ohne Faszien wären wir formlos, während im Inneren unser Organismus bei jeder Bewegung alles durcheinanderpurzeln würde. Faszien dienen im Körper als Gleitschichten, damit alle unsere Bewegungen reibungslos ablaufen und unsere Organe gesund funktionieren können.

Faszien sind noch mehr:

  • Das grösste Sinnesorgan unseres Körpers
    Das Fazien-Netzwerk strotzt vor Bewegungssensoren und Schmerzrezeptoren. Über 80 % der freien Nervenenden befinden sich in der Faszie zwischen Muskeln und Unterhaut. So sind die Faszien oft Quelle von „unerklärbaren“ Schmerzsymptomen. Insbesondere auch von vielen Kreuzleiden.
    Die ständigen Meldungen der im Bindegewebe vorhandenen Rezeptoren verhelfen uns zu guter Körperwahrnehmung, durch die wir in der Lage sind, ohne Augenkontrolle die Stellung aller Körperteile im Raum wahrzunehmen und gegebenenfalls zu verändern und anzupassen.
  • Ein „innerer Ozean“ der Heilung
    Das Faszien-Gewebe besteht zu 70% aus Wasser. Über diese zähflüssige Grundsubstanz werden die Angrenzenden Zellen ernährt und Abfallprodukte weg transportiert. Sind die Faszien verklebt und dehydriert, ist dieser Austausch entsprechend eingeschränkt.
    Auch an der Abwehrfunktion des Körpers ist das Fasziengewebe massgeblich beteiligt. Es erfüllt eine wichtige Schutzfunktion durch die Bildung von Barrieren gegen ein Eindringen von Fremdkörpern. Zudem befinden sich sogenannte Fresszellen im Fasziengewebe, die Mikroorganismen und Gewebetrümmer enzymatisch auflösen können.
  • Speicher unseres Erlebens
    Faszien schreiben ständig die Geschichte unseres Denkens, unseres Fühlens und unseres Tuns mit. Durch die hohe nervale Dichte im Fasziennetz werden Erlebnisse, die ihre Spuren durch Ausschüttung bestimmter Botenstoffe in den Nervenzellen des Bindegewebes und im Gehirn hinterlassen haben, wie in einem Erinnerungsspeicher konserviert. Emotionale Traumata im Kindes- oder Jugendalter können für später auftretende Schmerzen mitverantwortlich sein, da unser Körper auf die alten Schmerzmuster zurückgreift.
    Mittels achtsamer Berührungen können solche im Gewebe gespeicherten (oft unbewussten) Traumatas gelöst und durch eine neue positive Erfahrung ersetzt werden.
  • „Aussenstellen des Gehirns“
    Faszien sind zahlreich mit sympathischen Nervenendigungen durchsetzt. Über diese Nervenendigungen wirken die Faszien auf unser vegetatives Nervensystem. Sie bilden sozusagen den Außenposten unseres autonomen Nervensystems. Autonom bedeutet: Über dieses Nervensystem haben wir keine bewusste Kontrolle und es regelt lebenswichtige Körperfunktionen weitestgehend selbstständig. Dazu gehören Atmung, Verdauung, einzelne Organe und auch Muskeln wie die inneren Augenmuskeln.
  • Ständiger Wandel für unser Gleichgewicht
    Der Körper sucht stets das ideale Gleichgewicht um mit den aktuellen Anforderungen am besten zurecht zu kommen. Dabei spielen die Faszien, welche als endloses Netz alles mit allem verbinden, eine massgebliche Rolle. Sie helfen zum Beispiel bei einseitigen Belastungen mit Verfilzungen den beanspruchten Körperbereich zu stabilisieren. Dies ist durchaus eine sinnvolle und Hilfreiche Funktion. Sie kann jedoch längerfristig die Beweglichkeit und die Muskelfunktionen einschränken, die Durchblutung im Gewebe vermindern und zu Schmerzen führen.
    Mit langsamen tiefen Berührungen können solche Verfilzungen gelöst werden. Dabei ist das Wesen der Faszie als endloses Netzwerk wiederum sehr wirkungsvoll. Ein Impuls durch Berührung an einer Körperstelle wird durch das Netzwerk im Körper weiter verbreitet. Der Körper findet zu seinem beweglichen, gesunden Gleichgewicht zurück.
  • Partner der Muskeln – für harmonische Bewegungen
    Muskeln könnten ohne Faszienhüllen weder arbeiten noch ihre Form behalten. Die Faszien leiten die Kraft der Muskelfasern weiter, machen die Bündel von Muskelfasern gleitfähig und ermöglichen es, dass der Muskel im wahrsten Sinne des Wortes reibungslos arbeitet. Sehnen – straffes fasziales Gewebe – sorgen für den Krafttransfer an den Knochen. Muskel-Faszien-Einheiten verbinden über sogenannte Leitbahnen mehrere Körperteile von den Füssen bis zum Kopf miteinander.
    Faszien können sich ebenfalls aktiv bewegen. Langsamer als Skelettmuskeln, aber sie können sich zusammenziehen und auch wieder entspannen.
    Muskeln und Faszien bilden ein unzertrennliches Dream-Team – das myofasziale System. So erstaunt es nicht, dass den Faszien auch im Sport immer mehr Bedeutung beigemessen wird.

Faszien werden erst in den letzten Jahren mehr und mehr erforscht. Dabei können wir uns immer mehr von ihren vielfältigen Eigenschaften faszinieren lassen. Fachleute sprechen von einem „neuartigen Kommunikationssystem des Lebens“, vom „Netz des Lebens“ oder vom „Geflecht der Gesundheit“.

Rebalancing ist eine schöne Möglichkeit, dieses faszinierende Gewebe mit seiner raschen, manchmal überraschenden und nachhaltigen Veränderbarkeit am eigenen Körper zu erleben.

Verbindungen-Eins Sein